Sonntag, 31. August 2014

Schulbeginn


Auch wenn es nicht der allererste Schultag ist:

Ich wünsche allen SchülerInnen und
LehrerInnen ein Schuljahr, in dem sie:
  • lernen, wachsen und reifen
  • andere Persönlichkeiten treffen und tragfähige Beziehungen aufbauen
  • an Selbstbewusstsein gewinnen
  • Freunde finden
  • sich Herausforderungen stellen und sie bewältigen
  • stolz sein können auf ihre Leistungen
  • sich kreativ, musikalisch und sportlich "austoben" können
  • und vorallem:
  • dass sie die Freude an dem, was sie in der Schule tun, nicht verlieren!

Und den Eltern wünsche ich
  • fruchtbaren Austausch mit den LehrerInnen ihrer Kinder,
  • eine gute Beziehung zum eigenen Kind,
  • faire LehrerInnen,
  • wenig Hausaufgaben ;-)
  • und dass sie stolz auf ihre Kinder sein können!



Mittwoch, 27. August 2014

Wie "böse" dürfen Eltern sein?



Kinder brauchen böse Eltern“ - dieser Buchtitel ist mir unlängst unter die Augen gekommen. Das musste ich genauer wissen, doch leider hat das Buch meine Erwartungen nicht erfüllt.

Objektiv gesehen ist schon der Titel falsch: Kinder brauchen keine BÖSEN Eltern, die ihnen Schlimmes antun, sondern sie brauchen Eltern, die sich ausreichend von ihren Kindern abgrenzen und auch ein Nein oder eine Grenze durchsetzen und die damit verbundenen Konflikte aushalten können.

Es ist dem Autor aber hoch anzurechnen, dass er Dinge anspricht, die sonst weitgehend verschwiegen werden: Nämlich dass die Vorstellung, Familienleben müsse immer harmonisch verlaufen, eine absolut unrealistische Erwartung ist, mit der sich Eltern im Alltag selbst überfordern: Im Zusammenleben von Eltern und Kindern gab und gibt es immer Konflikte. Wünsche und Bedürfnisse der unterschiedlichen Generationen sind eben nicht die gleichen. In der modernen, westlichen Gesellschaft werden diese Konflikte verdrängt – es darf sie nicht geben, weil das harmonische Familienleben zum Statussymbol erhoben wurde und daran Erfolg und Misserfolg gemessen werden.

Der Autor spricht auch an, dass negative Gefühle – auch gegenüber den eigenen Kindern – nicht schlecht oder böse sind, sondern auch zum „Erziehungsprozess“ gehören. Viele Eltern plagt die Angst, dass ihre Erziehungs“versuche“ scheitern könnten, und fast alle Eltern sind der „wilden Triebhaftigkeit“ ihrer eigenen Kinder schon fassungslos und hilflos gegenüber gestanden. Man denke nur an die Trotzphase...

Nur traut sich niemand, das öffentlich zuzugeben, weil viele Mütter und Väter Angst haben, dann als „Rabeneltern“ abgestempelt zu werden.

So wächst eine unbewusste Ansammlung negativer Gefühle, die irgendwann Eltern explodieren lässt. Oft zu einem nichtigen Anlass....

Montag, 25. August 2014

Ein Buch über Gott


Ja, es geht um die Arche Noah und Gott kommt auch vor in diesem Buch. Und doch ist es nicht unbedingt ein religiöses Buch. Es erzählt in lockerem Ton die Geschichte der Pinguine auf der Arche Noah. Auf dem Titelbild sind die beiden übrigens zu sehen – und im Koffer steckt der dritte ;-).

Die Dialoge im Buch sind subtil, unglaublich gut beobachtet und trotzdem leicht zu lesen. Kleine und größere Zeichnungen lockern den Text auf, trotzdem ist „An der Arche um Acht“ nicht nur ein Kinderbuch. Auch Erwachsene werden bei manchen Szenen schmunzeln.

Wer möchte, kann das Buch als Anstoß dafür verwenden, (wieder einmal) über Gott und die Welt nachzudenken. Aber das Buch drängt niemandem irgendeine Weltsicht auf, es missioniert nicht, es will nicht überzeugen sondern lädt zum eigenen Denken ein, da die beiden Pinguine die „Sache mit Gott“ sehr unterschiedlich wahrnehmen und interpretieren. 
 
Ganz am Ende sorgt der dritte Pinguin übrigens für eine besondere Überraschung – spätestens hier werden „katholische Fundamentalisten“ das Buch hassen...

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Kinderhörspielpreis 2006 und den Deutschen Kindertheaterpreis 2006.
PS: Wer das Buch nicht kaufen möchte, kann es in der Stadtbücherei Bad Vöslau ausleihen.

Dienstag, 5. August 2014

Schule der Zukunft?

In den Weiten des Internets bin ich auf einen Artikel vom Dezember 2012 gestoßen. Dort ging es um eine Schule (die Robert Bosch-Schule Homburg), die beschlossen hat, ihre Lernkultur vollständig zu erneuern und mit dem zu verbinden, was die Neurowissenschaft zum Thema Lernen zu sagen hat.
Das Experiment wurde in der 5. Schulstufe gestartet (im September 2012): Der „normale“ Unterricht wurde durch selbstorganisiertes Lernen ersetzt. Es gibt zwar immer noch Unterricht in Form von „Instruktion“, eben wenn etwas Neues erklärt wird, den größten Teil der Zeit verbringen die SchülerInnen aber mit selbstgewählten Aufgaben und Projekten.
Bei der Umsetzung wurde die Schule vom bekannte Neurowissenschafter Christoph Krick beraten, von einer Universität und einem „Lern-Institut“ unterstützt, die auch bei der Entwicklung von Materialien geholfen haben, denn es mussten viele Unterrichtsmittel neu entwickelt werden.
Es wurden auch Möglichkeiten geschaffen, mit welchen die SchülerInnen ihre Lernfortschritte dokumentieren und bewerten können.
Abgesehen vom großen Aufwand bei der Umstellung des Unterrichts gibt es viel positives Feedback, einige SchülerInnen, die vorher nicht gut rechnen konnten, sollen sogar in den wenigen Monaten zu guten MathematikerInnen geworden sein... Positiv unterstrichen wurde die hohe Kompetenz, die die Kindern beim Organisieren erworben haben und das ausgesprochen gute Klassenklima.
So weit, so gut.

Wäre ich nicht an einer anderen Stelle auf eine Studie (Visible learning, 2008) des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie gestoßen. Er hat eine Meta-Studie (das ist eine Studie, die die Ergebnisse vieler anderer Studien zusammenfasst) durchgeführt, um die Faktoren zu finden, die guten und schlechten Unterricht unterscheiden.
Entgegen landläufiger Meinungen haben weder Unterrichtsform, noch Klassengröße, noch Status als Privatschule, noch Alternativ-Pädagogik den größten Einfluss.
Entscheidend war v.a. der Lehrer/die Lehrerin, genauer gesagt, die Persönlichkeit des Lehrenden.
Sehr nützlich für den Lernerfolg war, dass der Lehrer/ die Lehrerin den SchülerInnen klare Vorgaben macht – „ich bin der Boss hier, ich bin verantwortlich für das, was hier passiert“ und „was werden wir heute machen, was ist Ziel der Stunde“.
Dieses einfache Gestalten des Rahmens hilft, eine förderliche Lernumgebung zu schaffen. Weiters essentiell: Der Lehrer ist selbstkritisch – wenn die SchülerInnen etwas nicht können, sucht er den Fehler bei sich und nicht in den Schwächen der SchülerInnen und ändert seinen Unterricht, was ihm gut gelingt, weil er mehrere Methoden zur Verfügung hat.
Und: „Für nicht verhandelbar hält der Neuseeländer hingegen die emotionale Seite des Lernens. Ohne Respekt und Wertschätzung, Fürsorge und Vertrauen könne Unterricht nicht gelingen, schreibt er und belegt das mit eindrucksvollen Zahlen. Selbst die altmodische »Liebe zum Fach« lebt bei ihm wieder auf.“

Und wahrscheinlich ist das – auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag – kein Widerspruch zum Weg der erstgenannten Schule: Denn obwohl sich die Lehrerinnen dort viel weniger aktiv um den Lernprozess kümmern, liegt die Verantwortung für die Rahmenbedingungen fest in ihrer Hand und sie legen mit den SchülerInnen den Lernstoff fest (d.h. sie machen klar, was das Ziel ist). So heißt es auf der Schulhomepage: „Zu Beginn erläutert die Lehrperson den Schülerinnen und Schülern den sogenannten AO (Advance Organizer), der ihnen einen Überblick über die neue Unterrichtseinheit, d.h. den bevorstehenden Stoff, geben soll. Vorbei sind die Zeiten des „Im-Dunkeln-Tappens“, was der Lehrer vom Schüler erwartet und will. Ziel ist es hierbei, dass die Schülerinnen und Schüler zu jedem Zeitpunkt wissen, wozu die unternommenen Unterrichtsschritte gut sein sollen.“


Meine Folgerung aus den beiden Artikeln lautet (wieder einmal): Macht Persönlichkeitsbildung zum Pflichtgegenstand in der Pädagogikausbildung – das hilft dem Lehrer/ der Lehrerin, egal mit welchen Unterrichtsmethoden er/sie später einmal unterrichtet.

PS: Der Beitrag über selbstorganisiertes Lernen wurde 2012 zum meistkommentierten Beitrag der Website News4teachers (http://www.news4teachers.de/2012/12/modellversuch-selbstorganisiertes-lernen-zeigt-gute-ergebnisse/).
Hier noch eine gute Beschreibung von der Schulhomepage: http://www.rbs-homburg.de/schule/schulentwicklung-sol/.

PPS: Und natürlich noch der Link zur „Hattie-Studie“ (leicht lesbar, allgemein verständlich): http://www.zeit.de/2013/02/Paedagogik-John-Hattie-Visible-Learning/komplettansicht.

Freitag, 1. August 2014

Park & Kiss

Was Park & Ride ist, wissen wir alle: Man parkt sein Auto auf dem vorgesehenen Parkplatz und steigt in ein öffentliches Verkehrsmittel um.
Seit die Schule meines Sohnes renoviert wurde, weiß ich auch was Kiss & Ride ist: Spezielle „Parkplätze“ in der Nebenfahrbahn, wo man sein Kind aussteigen lassen und sich von ihm verabschieden kann, ohne den Verkehr aufzuhalten.
Ganz neu ist aber: Park & Kiss.
Das geht dann so: Auto am Bahnhof auf den Park&Ride Parkplatz stellen, Kind am Bahnhof im Kindergarten verabschieden, in den Zug steigen und zur Arbeit fahren. Und am Abend das Ganze in die andere Richtung.
In der Gemeinde Tullnerfeld (an der Westbahn) gibt es ab 1. September eine Kindergartengruppe im Bahnhofsgebäude, in der nur Kinder von Pendlern aufgenommen werden (bei entsprechendem Bedarf mit Betreuungszeiten von 5.30h bis 19:00).
Das erleichtert natürlich den Eltern den Alltag, aber ich finde es irgendwie komisch, vielleicht auch nur gewöhnungsbedürftig, weil der Bahnhof dort ja „im Nichts“ liegt. Nur Bahnstrecke und Wiesen und Felder rundherum....Naja, dann stört der "Kinderlärm" wenigstens keinen.
Und wieso müssen sich eigentlich immer die Kinder anpassen?