"Während ihres Masterstudiums der Psychologie war sie nie viel an der
Uni. Probiert hat sie es, aber lange hielt sie es in den Vorlesungen
nicht aus. Zu wenige Informationen wurden zu langsam vermittelt, die
anderen stellten zu viele Fragen. Dann ging sie nach einer halben Stunde
wieder nach Hause." wird über die hochbegabte Studentin berichtet.
Nun stelle man sich einmal die Situation einer hochbegabten Schülerin vor: Auch in vielen Unterrichtsstunden wird viel zu wenig Information viel zu langsam vermittelt und viele Fragen der Mitschüler erscheinen unnötig und banal.
Im Gegensatz zu einer Studentin kann die Schülerin jedoch nicht flüchten, sondern muss Stunde um Stunde ertragen.
Kein Wunder, wenn die Motivation schwindet.
Mehr über die obengenannte Studentin gibt es hier zu lesen: http://ze.tt/so-ist-es-intelligenter-als-999-prozent-aller-menschen-zu-sein/
Alles rund um Psychologie, Kreativität, Mal- und Gestaltungstherapie, Hochbegabung, Leben mit Kindern.
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Dienstag, 27. Dezember 2016
Freitag, 21. Oktober 2016
Minimalisten - das deutsche Wort für Underachiever
Alles richtig, was Fabian Grolimund (Schweizer Psychologe und Autor) in seinem Artikel "Mein Kind ist ein Minimalist!" schreibt.
V.a. in der Denkweise «Ich gebe immer nur halbe Kraft – dann kann ich mir sagen, dass ich eigentlich noch viel mehr gekonnt hätte, wenn ich gewollt hätte» finde ich mich wieder... Damit muss man die Verantwortung für eventuelle Misserfolge nicht völlig übernehmen, doch man wird auch nie erfahren, zu welchen Leistungen man "eigentlich" fähig wäre - und auf was man dann wirklich stolz sein könnte.
Wichtig auch die Mahnung an die Eltern, Anstrengung zu loben und nicht Begabung und Intelligenz. Denn nur Anstrengung kann man wissentlich beeinflussen. Und Leistung setzt sich eben aus Begabung PLUS Training zusammen.
Eines fehlt mir allerdings im Artikel: das Feedback. Denn wenn ein Mensch "nur" mittelmäßige (oder sogar unterdurchschnittliche) Leistungen erbringt, dann bekommt er auch das entsprechende Feedback von seinen Mitmenschen - dern Lehrern, Chefs und Arbeitskollegen. Und diese Kommentare und Urteile prallen nicht an allen Menschen ungehört ab. Hört man ständig, dass man "nur mittelmäßig" ist, glaubt man es irgendwann wohl selbst.
Und da wieder rauszukommen und sich zu guten/ besseren/ sehr guten Leistungen zu motivieren, kann eine schwierige Aufgabe sein.
"Mein Kind ist ein Minimalist"
V.a. in der Denkweise «Ich gebe immer nur halbe Kraft – dann kann ich mir sagen, dass ich eigentlich noch viel mehr gekonnt hätte, wenn ich gewollt hätte» finde ich mich wieder... Damit muss man die Verantwortung für eventuelle Misserfolge nicht völlig übernehmen, doch man wird auch nie erfahren, zu welchen Leistungen man "eigentlich" fähig wäre - und auf was man dann wirklich stolz sein könnte.
Wichtig auch die Mahnung an die Eltern, Anstrengung zu loben und nicht Begabung und Intelligenz. Denn nur Anstrengung kann man wissentlich beeinflussen. Und Leistung setzt sich eben aus Begabung PLUS Training zusammen.
Eines fehlt mir allerdings im Artikel: das Feedback. Denn wenn ein Mensch "nur" mittelmäßige (oder sogar unterdurchschnittliche) Leistungen erbringt, dann bekommt er auch das entsprechende Feedback von seinen Mitmenschen - dern Lehrern, Chefs und Arbeitskollegen. Und diese Kommentare und Urteile prallen nicht an allen Menschen ungehört ab. Hört man ständig, dass man "nur mittelmäßig" ist, glaubt man es irgendwann wohl selbst.
Und da wieder rauszukommen und sich zu guten/ besseren/ sehr guten Leistungen zu motivieren, kann eine schwierige Aufgabe sein.
"Mein Kind ist ein Minimalist"
Mittwoch, 11. Mai 2016
„Ich kann kein Mathe“ beginnt schon in der Volksschule
In der Volksschule Mathematik zu unterrichten, ist sicherlich eine Herausforderung. In diesem Fach wird besonders deutlich, was wohl auch für die anderen Fächer gilt: Die Kinder sind unterschiedlich. Die eine verstehen schnell, die anderen brauchen mehr Übung - und einige wenige haben besondere Probleme mit dem Verständnis.
Doch der Lehrer muss diese Kinder alle „unter einen Hut bringen“, der Unterricht soll für alle Kinder geeignet sein. Das wäre wohl nur über einen differenzierten Unterricht zu erreichen... der ist zwar im Lehrplan verankert, wird aber leider nicht in allen Klassen umgesetzt.
So passiert es leider immer wieder, dass Kinder schon in der Volksschule die Freude an der Mathematik verlieren - dieses Risiko haben sowohl die besonders begabten Kinder, denen bei den Wiederholungen dessen, was sie längst verstanden haben, langweilig wird als auch die schwächeren Kinder.
Auch die Einstellung des Lehrers zu seinem Fach ist nicht unwesentlich - aber das muss man differenziert betrachten: Mag der Volksschullehrer Mathe, wird sein Unterricht eher interessant sein und auch die begabten Kinder ansprechen. Oder aber: Ist der Lehrer mathematisch begabt, kann er die Verständnisschwierigkeiten mancher Kinder vielleicht nicht nachvollziehen.
Ein Lehrer, der Mathe nicht mag (und Volksschullehrer müssen alle Fächer unterrichten), wird aber mit Sicherheit kein positives Vorbild sein.
Interessant auch die Überlegung, dass in den Volksschule hauptsächlich Rechnen aber kaum Mathematik unterrichtet wird. Das deckt sich mit meinen Beobachtungen: Stunden- und tagelang wird z.B. dividieren geübt, aber wenn man nachfragt, was das eigentlich bedeutet, herrscht Ratlosigkeit.
Das ist schade, denn gerade die Erkenntnis der „tieferen Zusammenhänge“ fördert das Verständnis und damit die Freude an der Mathematik.
Und wenn ein Kind schon in der Volksschule beschließt, Mathematik nicht zu mögen wird es mit ziemlicher Sicherheit ein Kind werden, das früher oder später Mathematik auch nicht kann.
Artikel "Warum wir Mathematik doch brauchen"
Montag, 4. Januar 2016
Ursachen für misslingende Schulkarrieren von hochbegabten Kindern (Anne und Thomas Eckerle)
Von diesem Text gefällt mir der erste Teil ganz besonders gut, wo der Zusammenhang zwischen „individuellem Anforderungsniveau, schulischer Herausforderung und dem mit Dopaminausschüttung ausgelöstem Glücksgefühl“ beschrieben wird: Nur wenn die Schwierigkeit der Aufgabe so ist, dass sie mit Anstrengung gelöst werden kann, entsteht durch die Ausschüttung von Botenstoffen ein positives „Hochgefühl“, das wiederum die Leistungmotivation und das positive Selbstbild des Kindes stärkt. Sowohl schwach begabte wie auch hochbegabte Kinder haben in der Schule kaum Möglichkeiten, dieses Gefühl zu erleben. So kann es dazu kommen, dass auch hochbegabte Kinder, die die Möglichkeiten zu guten Schulleitungen mitbringen, keine Leistungsmotivation entwickeln, zu Anstrengungsvermeidern und in Folge zu Underachievern werden.
Was ich im weiteren Verlauf des Artikels nicht so gut nachvollziehen kann, sind die Erläuterungen darüber, dass „Underachiever“ - denn um diese Kinder geht es in dem Text - (fast) zwangsläufig soziale Probleme in ihrer Klasse haben, und zwar sowohl mit ihren MitschülerInnen als auch mit ihren LehrerInnen.
Auch den beiden zusätzlichen Risikofaktoren - Mangelnde Empathie und kommunikativer Einstellung sowie Unordnung des Wissens - kann ich nur wenig abgewinnen. Vor allem bei der „Unordnung des Wissens“ frage ich mich, wie die Autoren darauf gekommen sind und wie sie feststellen können, ob ein Kind geordnetes oder ungeordnetes Wissen hat. (Im Gegenteil sieht es eher so aus als ob hochbegabte Kinder besonders vernetzt denken würden, und das ist ja bei ungeordnetem Wissen nicht möglich. Außerdem: Wie kann man das nachweisen, ob Wissen geordnet oder ungeordnet ist? Sprunghaftes Denken muss m.E. nicht ungeordnetes Denken heißen.)
Die daraufberuhende Ablehnung des enrichment als „potentielle Erhöhung des Unordnung“ kann ich auch nicht mittragen, sehr wohl aber die Forderung, (hochbegabten) Kinder auch verschiedene Techniken zur Ordnung des Wissens zu lehren.
Wo ich sofort einen „Aha-Effekt“ hatte, war das „problemerfindende Denken“, das bei hochbegabten Kindern deutlich ausgeprägter zu sein scheint (z.B. weil Aufgabenstellungen zu wörtlich verstanden werden oder Aspekte bedacht werden, die nicht relevant sind.)
Mein Lieblingssatz zur Förderung: „Hochbegabtenförderung zielt auf Persönlichkeits-, nicht auf Wissensentwicklung, Leistungsmotivation auf den Aufbau von Selbstvertrauen, nicht auf Abrichtung zum vorzeigbaren Schüler.“ Das trägt auch der Beobachtung Rechnung, dass gerade hochbegabte Kinder ernst genommen werden und in ihrer ganzen Persönlichkeit wahrgenommen werden wollen.
Was mir fehlt, ist eine Überlegung dazu, warum 80% der hochbegabten SchülerInnen zumindest potentiell dem gleichen Risiko ausgesetzt sind, ihm aber nicht erliegen. Oder genießen die alle einen „nicht-langweiligen“ Unterricht? Das kann ich mir nicht vorstellen.
Donnerstag, 26. November 2015
Langeweile hat viele Gesichter
Ich hatte gestern Lehrergespräch im Rahmen des Elternsprechtages, 4. Klasse Volksschule.
Wie jedes Jahr erwähnte ich: „Mein Kind klagt immer wieder über Langeweile im Unterricht.“
Darauf die Lehrerin, auch wie jedes Jahr: „Das kann ich gar nicht glauben, weil das ist mir noch gar nicht aufgefallen.“
Und somit konnten wir auch nicht weiter über das Thema reden - weil es für die Lehrerin kein Thema war.
Zuhause fragte ich dann mein Kind: „Was machst du eigentlich, wenn du dich im Unterricht langweilst?“
Antwort: „Ich gehe aufs WC. Das mache ich, damit ich mir nicht anhören muss, wenn die Hausübung besprochen wird.“
„Sonst noch was?“
„Naja, ich sitze da und warte, dass die Zeit vergeht.“
Da ist mir klargeworden, dass es natürlich schwer für die Lehrerin ist, das zu merken.
„Und wieso sagst du es deiner Lehrerin nicht, dass es so langweilig ist?“
„Das ist mir peinlich.“
So oder ähnlich läuft das wohl bei vielen Mädchen, da für Mädchen die Zugehörigkeit zur Gruppe (= Klasse) wichtiger ist als für Buben. Sie wollen dazugehören und nicht auffallen.
Buben reagieren eher mit störendem Verhalten wie Zwischenrufen, Aufstehen und Herumgehen oder Verweigerung.
In beiden Fällen würden die Kinder Unterstützung brauchen, denn Langeweile führt zu Desinteresse und so geht die Freude am Lernen früher oder später verloren.
Ob die Kinder Unterstützung bekommen werden, hängt in beiden Fällen vom Lehrer ab. Helfen würde es in beiden Fällen, wenn die Lehrern auf das zu achten würden, was die Eltern sagen. Und dann ihre Meinungen und Vorstellungen - z.B. von einem gelangweilten Kind - hinterfragen würden. Und mit diesem Wissen nochmals genau hinschauen würden.
PS: Das gilt analog natürlich auch für hochbegabte Kinder- auch die (in der Schule) sind ganz unterschiedlich, und auch hier macht es für Lehrer Sinn, sich anzuhören, was die Eltern sagen, über das eigene Bild von „hochbegabten Kindern“ nachzudenken und dann nochmals genau zu beobachten.
PPS: Die oben geschilderte Begebenheit ist rein fiktiv, beruht aber auf meinen Erfahrungen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig.
Wie jedes Jahr erwähnte ich: „Mein Kind klagt immer wieder über Langeweile im Unterricht.“
Darauf die Lehrerin, auch wie jedes Jahr: „Das kann ich gar nicht glauben, weil das ist mir noch gar nicht aufgefallen.“
Und somit konnten wir auch nicht weiter über das Thema reden - weil es für die Lehrerin kein Thema war.
Zuhause fragte ich dann mein Kind: „Was machst du eigentlich, wenn du dich im Unterricht langweilst?“
Antwort: „Ich gehe aufs WC. Das mache ich, damit ich mir nicht anhören muss, wenn die Hausübung besprochen wird.“
„Sonst noch was?“
„Naja, ich sitze da und warte, dass die Zeit vergeht.“
Da ist mir klargeworden, dass es natürlich schwer für die Lehrerin ist, das zu merken.
„Und wieso sagst du es deiner Lehrerin nicht, dass es so langweilig ist?“
„Das ist mir peinlich.“
So oder ähnlich läuft das wohl bei vielen Mädchen, da für Mädchen die Zugehörigkeit zur Gruppe (= Klasse) wichtiger ist als für Buben. Sie wollen dazugehören und nicht auffallen.
Buben reagieren eher mit störendem Verhalten wie Zwischenrufen, Aufstehen und Herumgehen oder Verweigerung.
In beiden Fällen würden die Kinder Unterstützung brauchen, denn Langeweile führt zu Desinteresse und so geht die Freude am Lernen früher oder später verloren.
Ob die Kinder Unterstützung bekommen werden, hängt in beiden Fällen vom Lehrer ab. Helfen würde es in beiden Fällen, wenn die Lehrern auf das zu achten würden, was die Eltern sagen. Und dann ihre Meinungen und Vorstellungen - z.B. von einem gelangweilten Kind - hinterfragen würden. Und mit diesem Wissen nochmals genau hinschauen würden.
PS: Das gilt analog natürlich auch für hochbegabte Kinder- auch die (in der Schule) sind ganz unterschiedlich, und auch hier macht es für Lehrer Sinn, sich anzuhören, was die Eltern sagen, über das eigene Bild von „hochbegabten Kindern“ nachzudenken und dann nochmals genau zu beobachten.
PPS: Die oben geschilderte Begebenheit ist rein fiktiv, beruht aber auf meinen Erfahrungen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig.
Sonntag, 15. November 2015
Wenn es in der Schule langweilig ist, dann soll das Kind halt ein Musikinstrument lernen
Warum denn immer und immer wieder die gleichen Klischees wiederholen?
Schon im Titel des kurzen Artikels gehte es los: "Buchholzer Konrektorin fördert die jungen Einsteins." Nein, nicht alle hochbegabten Kinder werden später so spektakuläre Leistungen vollbringen wie Albert Einstein. Und trotzdem sind sie hochbegabt...
Auch der höchste IQ, der der Konrektorin bekannt ist, interessiert wenig - ich meine, was haben die Leser davon ob das nun 140, 145 oder 150 ist? Das ist und bleibt nur eine Zahl.
Und wenn als Förderung das Erlernen eines Musikinstruments empfohlen wird, ist auch das eine altbekannten Reaktionsweise: Anstatt die hochbegabten Kinder in der Schule angemessen zu fördern, wird die Förderung auf die Freizeit verlagert.
Was nicht heißen soll, dass das Erlernen eines Musikinstrumentes keine gute Förderung ist - aber es ist nicht unbedingt eine intellektuelle Herausforderung (sondern fördert eher Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz) und kann daher schulische Förderung nicht ersetzen.
Außerdem entsteht meiner Meinung nach nicht Begabung sondern Leistung aus dem Zusammenspiel zwischen Anlage und Umwelt. Begabung ist angeboren. Um sie in entsprechende Leistung umzuwandeln, braucht das Kind die Unterstützung seiner Umwelt, gerade auch der Schule.
Hier der Artikel: http://waz.m.derwesten.de/dw/staedte/duisburg/sued/buchholzer-konrektorin-foerdert-die-jungen-einsteins-id11282305.html?service=mobile
Donnerstag, 12. November 2015
"Jetzt denk doch einmal nicht so viel"
"Jetzt denk doch einmal nicht so viel“, „jetzt sei doch nicht immer so schnell“, „ich weiß, dass das langweilig für die ist, aber du musst das machen, weil es die anderen Kinder in der Klasse auch machen müssen“, „dich nehme ich gar nicht dran, weil du weißt eh immer alles“ - mit diesen und ähnlichen Anforderungen ihrer sozialen Umwelt zurecht zu kommen , fällt besonders begabten Kindern besonders schwer. Denn sie können diese Erwartungen nur erfüllen, wenn sie einen wesentlichen Teil ihrer Persönlichkeit verleugnen: ihr Lernbedürfnis. Wie alle anderen Kinder wollen auch die besonders begabten Kinder lernen, und zwar in dem Tempo, das ihnen angeboren ist.
Dieser Impuls wird aber oft – gewollt oder ungewollt – von Eltern, Lehrern und anderen Menschen in der Umgebung des Kindes gebremst. Da hochbegabte Kinder, so wie alle anderen Kinder, sich aber auch zugehörig fühlen wollen und dazu die Erwartungen ihrer Umgebung erfüllen wollen, kommen sie in einen inneren Konflikt: Ihre intellektuellen Bedürfnisse und ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit können nicht gleichzeitig erfüllt werden.
Die Kinder beginnen – meist ohne sich dessen voll bewusst zu sein – eines dieser beiden Bedürfnisse zu unterdrücken. Je nach Temperament des Kindes geht das mehr oder weniger „gut“, doch logischerweise bleibt immer etwas Unerfülltes zurück. Früher oder später – auch das hängt von der Persönlichkeit des Kindes und von der familiären und sozialen Umwelt ab – wird die Frustration zu groß, die psychischen Ressourcen reichen zur Unterdrückung nicht mehr aus und das Kind verändert sich. Diese Veränderung kann sehr verschieden sein, z.B. aggressives Verhalten, depressive Verstimmung, Schulverweigerung, extreme Aufsässigkeit zuhause, störendes Verhalten in der Schule, massiver Leistungsabfall...
In dieser „Auffälligkeit“ wird das Kind dann von den Lehrern und Eltern wahrgenommen. Leider wird diese „Auffälligkeit“ im Schulsystem als individuelles „Problem“ des Kindes angesehen (und daher die Verantwortung auf Kind und Eltern abgewälzt)– obwohl die Situation in der Schule zumindest als Mit-Verursacher gesehen werden muss. Und die Lage des Kindes ohne Veränderungen in der Schulsituation nur schwer verbessert werden kann.
Wer diese Zusammenhänge genauer nachlesen will, findet eine klare und gut verständliche Darstellung in der Broschüre „Zu Entwicklungsschwierigkeiten hochbegabter Kinder und Jugendlicher“, zum Download z.b hier (ÖZBF: http://www.oezbf.at/cms/tl_files/Publikationen/Div_andere_Handreichungen/03_broschuere_entwicklungsschwier_2006.pdf)
Das sollte Pflichtlektüre für alle LehrerInnen und Kindergartenpädagoginnen sein! Und auch für Eltern ;-).
Dienstag, 10. November 2015
Die Freude am Lernen nicht verlieren
Ich bin ja nicht gerade ein Fan von Gerald Hüther, v.a. weil er seine "Erkenntnisse" nur selten mit Zitaten und Studien belegt und sie daher bei mir eher in der Form von Allgemeinplätzen und Vorurteilen ankommen.
Aber, wo er recht hat, hat er recht: es ist jammerschade, dass es das System Schule schafft, den Kindern innerhalb weniger Jahre ihre angeboren Freude am Lernen auszutreiben. Das wäre das Erste, was man am Schulsystem ändern sollte. Das hätte enormen persönlichen und gesellschaftlichen Nutzen.
Zur konkreten Umsetzung schweigt der Autor weitgehend (wie so oft). Altersübergreifende "Klassen" schlägt er vor, das wäre eine gute Idee, weil da auch begabten Kindern ein schnelleres Lerntempo ermöglicht wird und sie sich weniger langweilen müssten.
Hier der Artikel aus dem Standard: http://derstandard.at/2000025297218/Hirnforscher-Huether-Viel-wichtiger-als-Wissen-ist-Erfahrung
Aber, wo er recht hat, hat er recht: es ist jammerschade, dass es das System Schule schafft, den Kindern innerhalb weniger Jahre ihre angeboren Freude am Lernen auszutreiben. Das wäre das Erste, was man am Schulsystem ändern sollte. Das hätte enormen persönlichen und gesellschaftlichen Nutzen.
Zur konkreten Umsetzung schweigt der Autor weitgehend (wie so oft). Altersübergreifende "Klassen" schlägt er vor, das wäre eine gute Idee, weil da auch begabten Kindern ein schnelleres Lerntempo ermöglicht wird und sie sich weniger langweilen müssten.
Hier der Artikel aus dem Standard: http://derstandard.at/2000025297218/Hirnforscher-Huether-Viel-wichtiger-als-Wissen-ist-Erfahrung
Freitag, 11. September 2015
Verpasste Förderung und ihre Folgen
Dieser Zeitungsartikel beschreibt sehr eindrucksvoll, wie die „Förderung“ eines hochbegabten Kindes in der Volksschule schief laufen kann: http://www.basellandschaftlichezeitung.ch/basel/baselbiet/wie-das-erste-schuljahr-fuer-ein-hochbegabtes-maedchen-zur-qual-wurde-129480804 und welche gravierenden Folgen das für Kind und Familie hat.
Besonders aufschlussreich finde ich auch den folgenden Absatz:
„Nora wechselt im Spätherbst 2013 in die zweite Klasse ... und langweilt sich nach drei Monaten schon wieder.
Dazu kommen beim in sozialen Belangen eher unterentwickelten Kind Probleme mit den Klassenkameraden. Regula Rätz erinnert sich: «Nora wurde von den andern Kindern ausgeschlossen, weil sie in allen Fächern besser war. Sie hat damals ihre Lebensfreude verloren und ist zu Hause zunehmend aggressiv geworden.»“Wirklich sozial unterentwickelt? Glaube ich nicht. Sagt dich die Mutter ganz klar, dass das Mädchen von den anderen Kindern ausgeschlossen wurde.
Hier läuft ab, was oft passiert: Das hochbegabte Kind wird „schwierig“, weil seine Lebenssituation schwierig ist. Das ist bei „normal begabten Kindern“ übrigens genauso und darf nicht dem Kind angelastet werden.
Mittwoch, 20. Mai 2015
Überflieger und Underachiever
Heute bin ich über einen Artikel gestolpert, der eine etwas andere Position zum Thema „Hochbegabte in der Schule“ einnimmt.
Der Psychologe Detlev Leutner geht in diesem Interview von den Überfliegern aus – also von jenen Kindern, die in den ersten Schuljahren sehr gute Schulnoten haben.
Er teilt sie in zwei Gruppen:
Die extrinsisch motivierten Kinder, die viel lernen und sich für die guten Noten durchaus auch anstrengen. Manche tun das aus eigenen Antrieb, andere weil sie von den Eltern dazu angehalten werden. Bei vielen dieser Kinder käme es im Gymnasium früher oder später zu einem Leistungseinbruch, weil die Inhalte zu viel und zu schwierig werden und die Kinder daher kognitiv überfordert sind. Außerdem bleibt bei Jugendlichen eben weniger Zeit zum Lernen, weil andere Lebensbereiche wichtiger werden.
Die intrinsisch motivierten Kinder, die begeisterungsfähig und neugierig sind und deswegen die Inhalte des Unterrichts aufnehmen und verstehen. Das wären eben die hochbegabten Kinder. Auch bei ihnen kann es zu einem Leistungsabfall kommen, der aber nur durch die Verlagerung der Interessen auf andere Gebiete zurückzuführen wäre.
So weit so gut. Nur: Hat der Autor noch nie von Underachievern gehört, also von hochbegabten SchülerInnen, die es - obwohl sie motiviert sind und sich anstrengen – einfach nicht schaffen, die geforderten Leistungen zu bringen? Oer von jenen, die aus purer Langeweile jegliches Interesse an der Schule verlieren? Jedenfalls gibt es nachweislich hochbegabte Kinder, die „notentechnisch“ nicht nur bis ins Mittelfeld abrutschen, sondern sogar eine Klasse wiederholen müssen oder „vom Gymnasium fliegen“.
So einfach wie es der Artikel weismachen will – die Hochbegabten mit den schlechten Noten strengen sich halt nicht an – ist es leider nicht. Um ausgezeichnete Schulleistungen zu erreichen, brauchen hochbegabte Kinder ein gutes schulisches Umfeld, das sie ihren Begabungen entsprechend fördert. d.h. Die Verantwortung liegt nicht (nur) beim Schüler, sondern v.a. auch bei der Schule!
PS: Es gibt einige Kriterien, die es erlauben, extrinisch und intrinsiche motivierte Kinder zu unterscheiden. Nachzulesen z.B. auf Seite 40 der folgenden Broschüre: http://kreativakademien-noe.at/images/uploads_pdf/A._Richter,_Hochbegabung-Information_f%C3%BCr_Lehrer.pdf
Montag, 12. Mai 2014
Hohe Begabung ist nicht automatisch hohe Leistung
Leider ist es nicht immer so, dass hohe Begabung oder tolles Talent automatisch ebenso tolle, bemerkenswerte Leistungen hervorbringen. Das ist etwas, was viele Menschen (darunter auch viele LehrerInnen) nicht verstehen wollen.
Vielleicht hilft ein Vergleich: Setzt man eine Rosenpflanze mitten auf einen Weg, wo sie immer wieder niedergetreten wird, kann sie dort nicht wachsen, auch wenn sie – theoretisch – wunderschöne, duftende Blüten hervorbringen könnte. Die Umgebung passt einfach nicht.
Oder: Eine Pflanze, die viel Wasser braucht, wird kaum gegossen. Sie überlebt mit Müh´ und Not – aber ihre Früchte bleiben klein und wenig. Andererseits: Eine Pflanze, die Trockenheit liebt, wird im Sumpfbeet nicht gedeihen können. Im besten Fall überleben...
Und so ist es auch mit Begabungen: In einer guten Umgebung gedeihen und wachsen sie, können Früchte bringen. Sonst aber nicht.
Jeder, der sich jemals um Pflanzen gekümmert hat, weiß, dass es oft schon bei Pflanzen schwierig ist, die optimalen Bedingungen zu schaffen. Und Menschen sind eindeutig komplizierter als Pflanzen!
So gibt es zwar einige Modelle, die Begabung, Leistung und Umwelt in Beziehung setzen. Dort werden viele unterschiedliche Faktoren genannt wie z.B.:
Aus dem Bereich Kreativität: Flexibles/divergentes Denken, Einfallsreichtum, Phantasie...
Zu Motivation & Umwelt: Fleiß, Ehrgeiz, Anerkennung, Ausdauer, emotionale Stabilität, optimale Förderung, Familien- und Klassenklima, Freunde, Lebensereignisse...
Als Persönlichkeitsmerkmale: Stressbewältigung, Kontrollmechanismen, Lernstrategien, Umgang mit Angst...
Doch fehlen meistens die Wertungen dieser Faktoren (was ist wie wichtig?), oft auch die genaue Definition (Was ist emotionale Stabilität? Wie misst man optimale Förderung?).
Ein Vergleich dieser Modelle ist auch deshalb schwierig, weil ein Begriff in unterschiedlichen Modellen durchaus unterschiedliche Bedeutung haben kann – so wird z.B. „Talent“ manchmal im Sinn von „Begabung“ manchmal aber auch als „Leistung“ verwendet.
Ich persönlich bin sowieso überzeugt, dass es kein allgemeingültiges Modell geben kann. Jedes Kind, jeder Mensch ist anders und so muss auch die ideale „Umgebung“, in der die Begabungen am besten verwirklicht werden können, für jeden Menschen individuell gesucht und gefunden werden. Denn: Was für den einen wichtig ist, kann für jemand anderen viel weniger Bedeutung haben. Und diese persönlichen Wertigkeiten könne sich auch verändern, je nach Alter, Situation, Tagesverfassung...
Was aber bleibt ist: Menschen mit hohen Begabungen brauchen – so wie allen anderen auch – ein positives, individuell gestaltetes Umfeld, um die bestmöglichen Leistungen zu erbringen.
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