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Dienstag, 26. September 2017

Kurz und klar: Ein Grundsatzstatement zur Förderung hochbegabter SchülerInnen

Aus den Oberösterreichischen Nachrichten ein Kommentar, der kurz und klar erklärt, was Begabtenförderung in den österreichischen Schulen sein sollte: Kein Luxus für die "Elite" sondern ein Recht, das jedem Schüler/ jeder Schülerin zusteht.


Dienstag, 27. Dezember 2016

Langeweile... und keine Möglichkeit, zu entkommen

"Während ihres Masterstudiums der Psychologie war sie nie viel an der Uni. Probiert hat sie es, aber lange hielt sie es in den Vorlesungen nicht aus. Zu wenige Informationen wurden zu langsam vermittelt, die anderen stellten zu viele Fragen. Dann ging sie nach einer halben Stunde wieder nach Hause." wird über die hochbegabte Studentin berichtet.

Nun stelle man sich einmal die Situation einer hochbegabten Schülerin vor: Auch in vielen Unterrichtsstunden wird viel zu wenig Information viel zu langsam vermittelt und viele Fragen der Mitschüler erscheinen unnötig und banal.
Im Gegensatz zu einer Studentin kann die Schülerin jedoch nicht flüchten, sondern muss Stunde um Stunde ertragen.
Kein Wunder, wenn die Motivation schwindet.

Mehr über die obengenannte Studentin gibt es hier zu lesen: http://ze.tt/so-ist-es-intelligenter-als-999-prozent-aller-menschen-zu-sein/

Samstag, 12. November 2016

Die Gesellschaft muss auch mal was für die Hochbegabten tun

Insgesamt nichts besonders Neues, aber ganz am Ende des Artikels ein gutes Argument für "Hochbegabtenklassen":
"Auf die Bedürfnisse von Hochbegabten werde da selten Rücksicht genommen.
Und das kann fatale Folgen für die Gesellschaft haben: „Man muss als Hochbegabter erst einmal das Gefühl haben, dass das System etwas für einen tut“, sagt Baudson. „Wenn man sich von der Gesellschaft immer ausgebremst fühlt, ist man wahrscheinlich weniger gewillt, sich für sie zu engagieren.“"
Da ist was dran - gerade im Schulsystem bleiben die Bedürfnisse hochbegabter Kinder allzu oft auf der Strecke und das erzeugt natürlich Unlust und Frust bei diesen Kindern. Die Tatsache, dass sie als hochbegabt gesehen werden und auch so sein dürfen, kann da sehr entlastend wirken.

PS. Leider bleibt im Artikel ungeklärt, was mit dem hochbegabten Mädchen "los ist", das keine Lateinvokabel lernen will. Dient es nur der Illustration, dass auch hochbegabte Kinder lernen müssen? Oder stellt es dar, dass nicht alle hochbegabten Kindern in Mathe UND in den Sprachen hochbegabt sind?

Link zum Artikel: http://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Was-ein-hoher-IQ-wirklich-aussagt-id39680677.html



...
Was ein hoher IQ wirklich aussagt - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Was-ein-hoher-IQ-wirklich-aussagt-id39680677.html

Freitag, 28. Oktober 2016

Über Hochbegabung reden bzw. schreiben

Ein Interview mit Tanja Baudson, die auf scilogs über Hochbegabung bloggt.

Interessant daran ist, dass es hier einmal nicht über die Hochebgabung an sich geht (der Titel "Jeder Hochbegabte ist anders" ist irreführend) sondern darüber, wie und warum man über Hochbegabung sprechen, schreibe, kommunizieren soll. Mein Lieblingssatz in diesem Zusammenhang: "Was das Thema des Blogs betrifft, sehe ich das Problem, dass diejenigen, die wirklich Ahnung von der Materie haben, sich zu selten öffentlich äußern (einige wenige tun das häufig, aber das sind, wie gesagt, nur einige wenige); das eröffnet denjenigen mit einem soliden Halbwissen natürlich einen großen Spielraum. Über das Thema Hochbegabung wird leider nach wie vor noch viel Unhaltbares publiziert."

Zum Lesen und Stöbern hier das Interview und der Blog.

Montag, 10. Oktober 2016

Vererbung und Umwelt - immer wieder interessant, immer wieder rätselhaft

Dem Einfluss der "Gene" und der "Umwelt" auf die tatsächlichen Leistungen, die jemand im Laufe seines Lebens erbringt, wurde schon in vielen psychologischen Studien nachgegangen.
Doch bis heute sind - bei allen Bemühungen im Klärung - die Ergbnisse sehr breit gestreut: Gehen Verfechten einige Forscher die "10.000 Stunden-Regel" und gehen davon aus, dass "Training alles ist", zeigen anderen Studien hingeben Unterschiede zwischen Menschen, die höchst wahrscheinlich ererbt sind: Interessant finde ich dabei, dass der vorliegende Artikel zeigt, dass es sich bei diesen Unterschieden nicht (nur) um das handelt, was wir landläufig als "Talent" bezeichnen sondern um viel allgemeinere Eigenschaften: kognitive Verarbeitsgeschwindigkeit, Arbeitsgedächtnis, aber soagr die allgemeine Arbeitshaltungen, die Anstrengungsbereitschaft ("And practice is substantially heritable.").

Weniger erstaunt hat mich hingegen die Erkenntnis, dass Training bei "untrainierten" Menschen einen größeren Effekt hat als bei trainierten. Das kennen wir doch alle aus dem Alltag: Am Anfang, egal welcher Tätigkeit, hat man schnell Erfolgserlebnisse, doch je "besser" man wird, desto schwieriger wird es, noch besser zu werden.
Und wenn man dem Artikel Glauben schenken darf: Auf Topnievau entscheiden dann immer andere Faktoren als Training darüber, ob man Erster oder doch nur Zweiter oder Dritter wird.

http://www.newyorker.com/science/maria-konnikova/practice-doesnt-make-perfect

PS: Und doch, obwohl Training nicht alles ist, kann man hier nachlesen, dass jene mathebegabten Kinder, die auch eine entsprechende mathematische Förderung bekamen, "im richtigen Leben" bessere Leistungen erzielten als ihre ebenso begabten Zeitgenossen, die nicht geföerdert wurden.

Montag, 4. Juli 2016

Einstiegslektüre zum Thema Hochbegabung: Begabte Kinder finden und fördern

Begabte Kinder finden und fördern
Ein Wegweiser für Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer

Kurz und bündig hält diese Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, was sie im Titel verspricht: Sie bietet allen, die sich für das Thema Hochbegabung interessieren, einen Einstieg in das Thema. Der Text ist durchwegs so gestaltet, dass ihn auch Nicht-Fachleute - und das sind Eltern ja im allgemeinen - problemlos verstehen können.

Konkret geht es um die Frage „was ist Hochbegabung und wie kann man hochbegabte Kinder erkennen“ und um Möglichkeiten, wie Eltern, KindergartenpägadogInnen und LehrerInnen mit hochbegabten Kindern umgehen und sie in ihrer Entwicklung unterstützen können.
Neben theoretischem Grundwissen werden jeweils auch praktische Tipps gegeben. Die Broschüre eignet sich daher auch sehr gut, um sie an KindergartenpädagogInnen und LehrerInnen weiterzugeben. Sie werden dort neben dem nötigen Wissen eben auch ganz praktische Ideen finden, die sie in ihrem Alltag mit dem (hoch)begabten Kind umsetzen können.

Trotz der relativen Kürze geht Broschüre auch auf spezielle Themen ein, wie z.B. Underachiever, hochbegabte Kinder mit Migrationshintergrund und - wie schon am Titelbild zu sehen - hochbegabte Mädchen.

Insgesamt ist die Sicht auf Hochbegabung eine sehr sachliche und lösungsorientierte und beschreibt damit eine Art „idealen Umgang und ein ideales (schulisches) Umfeld“. Für mich ist das eher ein Wunschdenken, da viele Eltern ganz andere Erfahrungen aus dem Schulalltag berichten. Aber grundsätzlich ist es ja gut, wenn man zumindest eine Vorstellung davon hat, was sinnvoll und wünschenswert wäre, denn dann weiß man, was man für sein (hoch)begabtes Kind einfordern kann.

Praktischer Download unter: https://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BMBF/bmbf_begabte_kinder_finden_und_foerdern_pdf_1888.html
Dort kann man auch Druckexemplare bestellen.

Sonntag, 19. Juni 2016

Passend zur EM: Spitzensport und Begabtenförderung

Nach der hervorragenden Leistung von Robert Allmer im gestrigen Match Österreich : Portugal vermute ich, dass er wohl als Tormann "überdurchschnittlich begabt" ist.
Wie wäre das Match wohl ausgegangen, wenn ihm seine Trainer immer wieder gesagt hätten: "Tut uns leid, aber du musst dich an die mittelmäßigen Fußballer anpassen, wir können für dich kein besonderes Training machen."

Genau das hören viele intellektuell überdurchschnittlich begabte Kinder Tag aus Tag ein von ihren Lehrern....

Mittwoch, 11. Mai 2016

„Ich kann kein Mathe“ beginnt schon in der Volksschule


In der Volksschule Mathematik zu unterrichten, ist sicherlich eine Herausforderung. In diesem Fach wird besonders deutlich, was wohl auch für die anderen Fächer gilt: Die Kinder sind unterschiedlich. Die eine verstehen schnell, die anderen brauchen mehr Übung - und einige wenige haben besondere Probleme mit dem Verständnis.
Doch der Lehrer muss diese Kinder alle „unter einen Hut bringen“, der Unterricht soll für alle Kinder geeignet sein. Das wäre wohl nur über einen differenzierten Unterricht zu erreichen... der ist zwar im Lehrplan verankert, wird aber leider nicht in allen Klassen umgesetzt.
So passiert es leider immer wieder, dass Kinder schon in der Volksschule die Freude an der Mathematik verlieren - dieses Risiko haben sowohl die besonders begabten Kinder, denen bei den Wiederholungen dessen, was sie längst verstanden haben, langweilig wird als auch die schwächeren Kinder.

Auch die Einstellung des Lehrers zu seinem Fach ist nicht unwesentlich - aber das muss man differenziert betrachten: Mag der Volksschullehrer Mathe, wird sein Unterricht eher interessant sein und auch die begabten Kinder ansprechen. Oder aber: Ist der Lehrer mathematisch begabt, kann er die Verständnisschwierigkeiten mancher Kinder vielleicht nicht nachvollziehen.
Ein Lehrer, der Mathe nicht mag (und Volksschullehrer müssen alle Fächer unterrichten), wird aber mit Sicherheit kein positives Vorbild sein.

Interessant auch die Überlegung, dass in den Volksschule hauptsächlich Rechnen aber kaum Mathematik unterrichtet wird. Das deckt sich mit meinen Beobachtungen: Stunden- und tagelang wird z.B. dividieren geübt, aber wenn man nachfragt, was das eigentlich bedeutet, herrscht Ratlosigkeit.
Das ist schade, denn gerade die Erkenntnis der „tieferen Zusammenhänge“ fördert das Verständnis und damit die Freude an der Mathematik.
Und wenn ein Kind schon in der Volksschule beschließt, Mathematik nicht zu mögen wird es mit ziemlicher Sicherheit ein Kind werden, das früher oder später Mathematik auch nicht kann.

Artikel "Warum wir Mathematik doch brauchen"

Dienstag, 3. Mai 2016

"Klüger als der Rest" - Interview mit hochbegabtem Erwachsenen

Trotz einiger Klischees - zu denen Heinrich Siemens mit einem Augenzwinkern steht, was ihn sehr sympathisch macht - ein Beispiel eines positiven Artikels zu Hochbegabung bei Erwachsenen.

Bei mir hängen geblieben ist der Satz: „Hochbegabte würden immer auffallen, ist sich Siemens sicher: entweder als unterfordert oder fälschlicherweise als überfordert.“
Dem würde ich so nicht zustimmen: Ich glaube, dass es durchaus hochbegabte Schüler gibt, die niemals wirklich auffallen. Sie zählen vielleicht zu den Klassenbesten, fallen aber nicht durch kreative Problemlösungen oder ein Wissen, das weit über das Klassenniveau geht, auf. Sie machen, was zu machen ist, um sehr gute Noten zu bekommen, sind aber auch sehr angepasst.
Oder aber, sie liegen notenmäßig im Mittelfeld und keinem - weder Lehrern noch Eltern - kommt der Gedanke, dass sie hochbegabt sein könnten. Vor allem hochbegabte Mädchen können wahre Meisterinnen der Anpassung werden und ihre Begabungen verstecken, nur um nicht aufzufallen.
Aber auch wenn sie nicht depressiv oder sichtbar unglücklich sind (manche hochbegabte Mädchen sind das): Anpassung hat ihren Preis und sein Potential nicht ausleben zu können, hinterlässt Spuren und macht (zumindest latent) unzufrieden.
Außerdem haben diese angepassten Mädchen wahrscheinlich ein hohes Risiko, sich auch als Erwachsene unzufrieden und diffus unglücklich zu fühlen...

Montag, 25. April 2016

Doppeldiagnosen und Fehldiagnosen bei Hochbegabung.




James T. Webb: Doppeldiagnosen und Fehldiagnosen bei Hochbegabung. Ein Ratgeber für Fachpersonen und Betroffene.
ISBN: 978-3-456-85365-9

Ganz zu Anfang: Webb bezeichnet Hochbegabung als Diagnose, daher der Begriff „Doppeldiagnose“ = Hochbegabung plus andere Diagnose. Das entspricht nicht meiner Auffassung, denn Hochbegabung muss glücklicherweise nicht zwingend eine Einschränkung sein (dazu wird sie erst, wenn das Umfeld nicht passt).

Das Buch ist sehr logisch aufgebaut: Es werden die häufigsten Diagnosen im Kindes- und Jugendalter besprochen und für jedes Störungsbild werden die wichtigsten Auffälligkeiten besprochen. Diese „Auffälligkeiten“ werden in einem zweiten Schritt unter dem Aspekt der Hochbegabung betrachtet. Dabei wird sichtbar, dass manche Verhaltensweisen, die bei hochbegabten Kindern typisch sind, in „gefährlicher Nähe“ zu dem stehen, was das DSM-IV-TR als „Auffälligkeit“ betrachtet. Zum Beispiel kann die Versunkenheit eines hochbegabten Kindes in eine interessante Tätigkeit als Störung der Aufmerksamkeit gesehen werden oder die motorische Aktivität als Hyperaktivität (obwohl das Kind nur mit den Beinen zappelt, weil es sich langweilt).

Grundsätzlich geht Webb davon aus, dass sich Hochbegabung und psychische Störung nicht ausschließen, dass aber oft Verhaltensweisen, die für Hochbegabung typisch sind, fälschlicherweise als Symptome einer Störung gesehen werden (= Fehldiagnosen), weil im diagnostischen Prozess der IQ-Test fehlt. Oder die Fachperson nicht über Hochbegabung Bescheid weiß.

Als Entscheidungskriterium führt Webb immer wieder die „persönliche Beeinträchtigung“ an - nach dem Motto: Wenn die betroffene Person sich nicht selbst beeinträchtigt fühlt, dann ist es keine psychische Störung. Das ist sehr wichtig, denn soll das Verhalten des Kindes geändert werden, weil es das Umfeld - und nicht das Kind selbst - belastet. Hier sagt Webb ganz klar, dass dieses Vorgehen falsch ist: Hier muss sich das Umfeld an das Kind anpassen.
Wichtig ist auch, dass beim diagnostischen Prozess abgeklärt wird, in welchen Situationen das „auffällige Verhalten“ auftritt, denn nur so kann geklärt werden, ob es nur eine normale Reaktion auf nicht passende Umweltbedingungen ist.

Das Buch beschränkt sich auf die Beschreibung und Erklärung der „Störungsbilder“ und auf ihrer Abgrenzung zur „normalen Hochbegabung“. Diesem Anspruch wird es voll und ganz gerecht. Wer Handlungsvorschläge oder Tipps zum Umgang mit hochbegabten Kindern sucht, wird hingegen enttäuscht werden.

PS: Zum Teil wirkt der Text ein bisschen amerikanisch - ständig ist die Rede von Hochbegabtenprogrammen der jeweiligen Schule und von Anpassung des Bildungsprogramms. So al ob das in den USA gang und gäbe wäre. Ob es tatsächlich so ist, kann ich nicht beurteilen. Wenn ja, dann sind sie uns hier um einiges voraus ;-).

Mittwoch, 30. März 2016

Auf der Suche nach hochbegabten SchülerInnen

Es scheint auch im österreichischen Schulsystem noch Hoffnung zu geben - zumindest in Oberösterreich: Dort ist man aktiv auf der Suche nach hochbegabten SchülerInnen, und zwar schon in der 2. Klasse Volksschule. Alle Kinder, bei welchen eine Hochbegabung vermutet wird, können ohne großen Aufwand an einem Intelligenztest teilnehmen. Und alle hochbegbten Kinder bekommen so die Chance auf angemessene Förderung.

Wenn es in Oberösterreich funktioniert, wieso gibt es das Modell dann nicht in allen Bundesländern? Das wäre ein wirklicher Fortschritt im Schulsystem und würde Kindern und Eltern viele Schwierigkeiten ersparen.

http://diepresse.com/home/bildung/schule/4955885/Talente_Auf-der-Suche-nach-Hochbegabten-

Freitag, 11. März 2016

Eine Schule nur für Hochbegabte?

Den (Leidens-)Weg, der hier geschildert wird, kennen viele Eltern hochbegabter Kinder. Statt Unterforderung attestiert der Lehrer Überforderung.
„Überforderung und Unterforderung ähneln sich. Man darf die Lehrer deshalb nicht rügen. In ihrer Ausbildung bekommen sie meist kaum Wissen über Test- und Verhaltensdiagnostik mit.“ Damit stimme ich allerdings nur über bedingt überein. Ja, Lehrer wissen vielleicht wenig über Hochbegabung - aber sie könnten den Eltern wenigstens zuhören und ernst nehmen, was ihnen geschildert wird - und sich im Anlassfall informieren.

Eigentlich schade, dass man gleich eine neue Schule - eben eine nur für hochbegabte Kinder - gründen muss. Viel besser wäre es doch, wenn diese SchülerInnen im regulären Schulsystem das bekommen würden, was ihnen laut Gesetz auch zusteht: Nämlich Unterstützung dabei, ihre individuellen Begabungen bestmöglich zu entwickeln.

Außerdem bedeutet die  Konstruktion - Schule ohne Öffentlichkeitsrecht  - meines Wissen, dass die Kinder am Ende des Schuljahres eine externe Prüfung ablegen müssen. Das wird wohl für die meisten Kinder ziemlich stressig sein.
Und mit 550Euro Schulgeld im Monat ist diese Schule wohl ein Luxus, in dessen Genuss nur wenige Kinder kommen werden. (Wahrscheinlich eher die, deren Eltern auch an den öffentlichen Schulen bessere Chancen gehabt hätten, mit ihrer Forderung nach adäquater Förderung Gehör zu finden.)

Trotzdem: Viel Erfolg!

http://diepresse.com/home/bildung/schule/4936958/Viele-Hochbegabte-bleiben-unerkannt-

Samstag, 5. März 2016

Späterkannte hochbegabte Erwachsene

Hier ein interessanter Artikel über Erwachsene, deren Hochbegabung in ihrer Kindheit nicht erkannt wurde. Ganz verschiedene Lebenswege werden erzählt, denen doch eines gemeinsam ist: ein Unbehagen mit sich selbst, ein Gefühl des Andersseins.

In diesen Lebensgeschichten war der Intelligenztest ein Wendepunkt, so wie Robert schildert: "Seit Robert weiß, dass er überdurchschnittlich intelligent ist, kann er für sich selbst mehr Verständnis und Milde aufbringen und hat eine größere Selbstsicherheit erlangt. "Die Diagnose hat Klarheit in die Frage gebracht, warum ich so deutlich anders denke als die meisten Leute in meinem Umfeld", sagt er. Vieles in seiner Vergangenheit kann er nun in einem anderen Licht sehen. Gleichzeitig gibt ihm das Ergebnis ein größeres Vertrauen, was seine "verrückten" Ideen betrifft – und es spornt ihn an, seine Trägheit zu überwinden."

Auch die Erfahrung einer Underachieverin finde ich wichtig, denn hier sieht man, welche negativen Auswirkungen  die nicht erkannte Hochebgabung haben kann: "So erging es Jacqueline. Was sie eigentlich wollte, wusste sie irgendwann nicht mehr. Sie fühlte sich nur zutiefst verunsichert und traute sich nichts zu. Heute erklärt sie sich das so: "Ich hatte mein Gehirn auf 'Überlebensmodus' heruntergefahren." Sie sah nicht mehr nach links und rechts, lernte nichts mehr und interessierte sich nicht für Politik und auch nicht für andere Themen. Sie erinnert sich: "Ich hatte überhaupt kein Allgemeinwissen und konnte mich an keinem Gespräch mehr beteiligen." Sprach sie jemand an oder versuchte sie sich auf etwas zu konzentrieren, hatte sie immer wieder "Aussetzer" und bekam ihre Gedanken nicht in den Griff."

Trotz kritischem Blick auf Intelligenztests - sie messen nur bestimmte Bereiche der Intelligenz und das Ergebnis hängt von der Tagesverfassung ab - ein Plädoyer fürs Testen, auch nach der Schulzeit.

http://www.morgenpost.de/familie/article207118519/Wie-von-einem-anderen-Stern.html

Montag, 4. Januar 2016

Ursachen für misslingende Schulkarrieren von hochbegabten Kindern (Anne und Thomas Eckerle)

Von diesem Text gefällt mir der erste Teil ganz besonders gut, wo der Zusammenhang zwischen „individuellem Anforderungsniveau, schulischer Herausforderung und dem mit Dopaminausschüttung ausgelöstem Glücksgefühl“ beschrieben wird: Nur wenn die Schwierigkeit der Aufgabe so ist, dass sie mit Anstrengung gelöst werden kann, entsteht durch die Ausschüttung von Botenstoffen ein positives „Hochgefühl“, das wiederum die Leistungmotivation und das positive Selbstbild des Kindes stärkt. Sowohl schwach begabte wie auch hochbegabte Kinder haben in der Schule kaum Möglichkeiten, dieses Gefühl zu erleben. So kann es dazu kommen, dass auch hochbegabte Kinder, die die Möglichkeiten zu guten Schulleitungen mitbringen, keine Leistungsmotivation entwickeln, zu Anstrengungsvermeidern und in Folge zu Underachievern werden.

Was ich im weiteren Verlauf des Artikels nicht so gut nachvollziehen kann, sind die Erläuterungen darüber, dass „Underachiever“ - denn um diese Kinder geht es in dem Text - (fast) zwangsläufig soziale Probleme in ihrer Klasse haben, und zwar sowohl mit ihren MitschülerInnen als auch mit ihren LehrerInnen.

Auch den beiden zusätzlichen Risikofaktoren - Mangelnde Empathie und kommunikativer Einstellung sowie Unordnung des Wissens - kann ich nur wenig abgewinnen. Vor allem bei der „Unordnung des Wissens“ frage ich mich, wie die Autoren darauf gekommen sind und wie sie feststellen können, ob ein Kind geordnetes oder ungeordnetes Wissen hat. (Im Gegenteil sieht es eher so aus als ob hochbegabte Kinder besonders vernetzt denken würden, und das ist ja bei ungeordnetem Wissen nicht möglich. Außerdem: Wie kann man das nachweisen, ob Wissen geordnet oder ungeordnet ist? Sprunghaftes Denken muss m.E. nicht ungeordnetes Denken heißen.)
Die daraufberuhende Ablehnung des enrichment als „potentielle Erhöhung des Unordnung“ kann ich auch nicht mittragen, sehr wohl aber die Forderung, (hochbegabten) Kinder auch verschiedene Techniken zur Ordnung des Wissens zu lehren.
Wo ich sofort einen „Aha-Effekt“ hatte, war das „problemerfindende Denken“, das bei hochbegabten Kindern deutlich ausgeprägter zu sein scheint (z.B. weil Aufgabenstellungen zu wörtlich verstanden werden oder Aspekte bedacht werden, die nicht relevant sind.)

Mein Lieblingssatz zur Förderung: „Hochbegabtenförderung zielt auf Persönlichkeits-, nicht auf Wissensentwicklung, Leistungsmotivation auf den Aufbau von Selbstvertrauen, nicht auf Abrichtung zum vorzeigbaren Schüler.“ Das trägt auch der Beobachtung Rechnung, dass gerade hochbegabte Kinder ernst genommen werden und in ihrer ganzen Persönlichkeit wahrgenommen werden wollen.

Was mir fehlt, ist eine Überlegung dazu, warum 80% der hochbegabten SchülerInnen zumindest potentiell dem gleichen Risiko ausgesetzt sind, ihm aber nicht erliegen. Oder genießen die alle einen „nicht-langweiligen“ Unterricht? Das kann ich mir nicht vorstellen.

Donnerstag, 26. November 2015

Langeweile hat viele Gesichter

Ich hatte gestern Lehrergespräch im Rahmen des Elternsprechtages, 4. Klasse Volksschule.
Wie jedes Jahr erwähnte ich: „Mein Kind klagt immer wieder über Langeweile im Unterricht.“
Darauf die Lehrerin, auch wie jedes Jahr: „Das kann ich gar nicht glauben, weil das ist mir noch gar nicht aufgefallen.“
Und somit konnten wir auch nicht weiter über das Thema reden - weil es für die Lehrerin kein Thema war.

Zuhause fragte ich dann mein Kind: „Was machst du eigentlich, wenn du dich im Unterricht langweilst?“
Antwort: „Ich gehe aufs WC. Das mache ich, damit ich mir nicht anhören muss, wenn die Hausübung besprochen wird.“
„Sonst noch was?“
„Naja, ich sitze da und warte, dass die Zeit vergeht.“
Da ist mir klargeworden, dass es natürlich schwer für die Lehrerin ist, das zu merken.
„Und wieso sagst du es deiner Lehrerin nicht, dass es so langweilig ist?“
„Das ist mir peinlich.“

So oder ähnlich läuft das wohl bei vielen Mädchen, da für Mädchen die Zugehörigkeit zur Gruppe (= Klasse) wichtiger ist als für Buben. Sie wollen dazugehören und nicht auffallen.
Buben reagieren eher mit störendem Verhalten wie Zwischenrufen, Aufstehen und Herumgehen oder Verweigerung.

In beiden Fällen würden die Kinder Unterstützung brauchen, denn Langeweile führt zu Desinteresse und so geht die Freude am Lernen früher oder später verloren.

Ob die Kinder Unterstützung bekommen werden, hängt in beiden Fällen vom Lehrer ab. Helfen würde es in beiden Fällen, wenn die Lehrern auf das zu achten würden, was die Eltern sagen. Und dann ihre Meinungen und Vorstellungen - z.B. von einem gelangweilten Kind - hinterfragen würden. Und mit diesem Wissen nochmals genau hinschauen würden.

PS: Das gilt analog natürlich auch für hochbegabte Kinder- auch die (in der Schule) sind ganz unterschiedlich, und auch hier macht es für Lehrer Sinn, sich anzuhören, was die Eltern sagen, über das eigene Bild von „hochbegabten Kindern“ nachzudenken und dann nochmals genau zu beobachten.

PPS: Die oben geschilderte Begebenheit ist rein fiktiv, beruht aber auf meinen Erfahrungen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig.

Sonntag, 15. November 2015

Wenn es in der Schule langweilig ist, dann soll das Kind halt ein Musikinstrument lernen


Warum denn immer und immer wieder die gleichen Klischees wiederholen?

Schon im Titel des kurzen Artikels gehte es los: "Buchholzer Konrektorin fördert die jungen Einsteins." Nein, nicht alle hochbegabten Kinder werden später so spektakuläre Leistungen vollbringen wie Albert Einstein. Und trotzdem sind sie hochbegabt...

Auch der höchste IQ, der der Konrektorin bekannt ist, interessiert wenig - ich meine, was haben die Leser davon ob das nun 140, 145 oder 150 ist? Das ist und bleibt nur eine Zahl.

Und wenn als Förderung das Erlernen eines Musikinstruments empfohlen wird, ist auch das eine altbekannten Reaktionsweise: Anstatt die hochbegabten Kinder in der Schule angemessen zu fördern, wird die Förderung auf die Freizeit verlagert.
Was nicht heißen soll, dass das Erlernen eines Musikinstrumentes keine gute Förderung ist - aber es ist nicht unbedingt eine intellektuelle Herausforderung (sondern fördert eher Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz) und kann daher schulische Förderung nicht ersetzen.

Außerdem entsteht meiner Meinung nach nicht Begabung sondern Leistung aus dem Zusammenspiel zwischen Anlage und Umwelt. Begabung ist angeboren. Um sie in entsprechende Leistung umzuwandeln, braucht das Kind die Unterstützung seiner Umwelt, gerade auch der Schule.

Hier der Artikel: http://waz.m.derwesten.de/dw/staedte/duisburg/sued/buchholzer-konrektorin-foerdert-die-jungen-einsteins-id11282305.html?service=mobile

Donnerstag, 12. November 2015

"Jetzt denk doch einmal nicht so viel"

"Jetzt denk doch einmal nicht so viel“, „jetzt sei doch nicht immer so schnell“, „ich weiß, dass das langweilig für die ist, aber du musst das machen, weil es die anderen Kinder in der Klasse auch machen müssen“, „dich nehme ich gar nicht dran, weil du weißt eh immer alles“ - mit diesen und ähnlichen Anforderungen ihrer sozialen Umwelt zurecht zu kommen , fällt besonders begabten Kindern besonders schwer. Denn sie können diese Erwartungen nur erfüllen, wenn sie einen wesentlichen Teil ihrer Persönlichkeit verleugnen: ihr Lernbedürfnis. Wie alle anderen Kinder wollen auch die besonders begabten Kinder lernen, und zwar in dem Tempo, das ihnen angeboren ist.
Dieser Impuls wird aber oft – gewollt oder ungewollt – von Eltern, Lehrern und anderen Menschen in der Umgebung des Kindes gebremst. Da hochbegabte Kinder, so wie alle anderen Kinder, sich aber auch zugehörig fühlen wollen und dazu die Erwartungen ihrer Umgebung erfüllen wollen, kommen sie in einen inneren Konflikt: Ihre intellektuellen Bedürfnisse und ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit können nicht gleichzeitig erfüllt werden.
Die Kinder beginnen – meist ohne sich dessen voll bewusst zu sein – eines dieser beiden Bedürfnisse zu unterdrücken. Je nach Temperament des Kindes geht das mehr oder weniger „gut“, doch logischerweise bleibt immer etwas Unerfülltes zurück. Früher oder später – auch das hängt von der Persönlichkeit des Kindes und von der familiären und sozialen Umwelt ab – wird die Frustration zu groß, die psychischen Ressourcen reichen zur Unterdrückung nicht mehr aus und das Kind verändert sich. Diese Veränderung kann sehr verschieden sein, z.B. aggressives Verhalten, depressive Verstimmung, Schulverweigerung, extreme Aufsässigkeit zuhause, störendes Verhalten in der Schule, massiver Leistungsabfall...

In dieser „Auffälligkeit“ wird das Kind dann von den Lehrern und Eltern wahrgenommen. Leider wird diese „Auffälligkeit“ im Schulsystem als individuelles „Problem“ des Kindes angesehen (und daher die Verantwortung auf Kind und Eltern abgewälzt)– obwohl die Situation in der Schule zumindest als Mit-Verursacher gesehen werden muss. Und die Lage des Kindes ohne Veränderungen in der Schulsituation nur schwer verbessert werden kann.

Wer diese Zusammenhänge genauer nachlesen will, findet eine klare und gut verständliche Darstellung in der Broschüre „Zu Entwicklungsschwierigkeiten hochbegabter Kinder und Jugendlicher“, zum Download z.b hier (ÖZBF: http://www.oezbf.at/cms/tl_files/Publikationen/Div_andere_Handreichungen/03_broschuere_entwicklungsschwier_2006.pdf)
Das sollte Pflichtlektüre für alle LehrerInnen und Kindergartenpädagoginnen sein! Und auch für Eltern ;-).

Dienstag, 10. November 2015

Die Freude am Lernen nicht verlieren

Ich bin ja nicht gerade ein Fan von Gerald Hüther, v.a. weil er seine "Erkenntnisse" nur selten mit Zitaten und Studien belegt und sie daher bei mir eher in der Form von Allgemeinplätzen und Vorurteilen ankommen.

Aber, wo er recht hat, hat er recht: es ist jammerschade, dass es das System Schule schafft, den Kindern innerhalb weniger Jahre  ihre angeboren Freude am Lernen auszutreiben. Das wäre das Erste, was man am Schulsystem ändern sollte. Das hätte enormen persönlichen und gesellschaftlichen Nutzen.

Zur konkreten Umsetzung schweigt der Autor weitgehend (wie so oft). Altersübergreifende "Klassen" schlägt er vor, das wäre eine gute Idee, weil da auch begabten Kindern ein schnelleres Lerntempo ermöglicht wird und sie sich weniger langweilen müssten.

Hier der Artikel aus dem Standard: http://derstandard.at/2000025297218/Hirnforscher-Huether-Viel-wichtiger-als-Wissen-ist-Erfahrung

Montag, 9. November 2015

Schon wieder: Hochbegabt und verhaltensauffällig.

Und schon wieder, jetzt kann ich es bald nicht mehr hören: Diese Artikel von den hochbegabten Kindern, die leider sozial gestört sind und daher völlig unfähig, im Leben normal zurecht zu kommen.

Keine Frage, der Weg, den dieser Junge und seine Eltern gegangen sind und noch immer gehen, ist sehr schwierig und für alle Beteiligten sehr anstrengend, und deswegen haben sie mein vollstes Mitgefühl.
Warum aber muss ein Artikel sich über lange Absätze an den sozialen Schwierigkeiten dieses Burschen "ergötzen"? Wem nützt das das etwas?
Seine Hochbegabung wird dagegen nur in wenigen Zeilen erwähnt...
Schon der erste Satz ist eine Frechheit: "Viele Hochbegabte sind zusätzlich mit anderen Besonderheiten behaftet." Dazu gibt es keinerlei Beweis, psychologische Studien gehen eher in die Richtung, dass hochbegabte Menschen psychisch gesünder sind als die Normalbevölkerung.

In diesem Ton geht es weiter und der Artikel strotzt - wie so viele andere zum Thema Hochbegabung - vor Vorurteilen: So werden z.B. zuerst lange die ADHS- und Asperger-Symptome geschildert, dann kommt der Satz: "Ergebnis des psychologischen Tests überraschte nicht". Gemeint ist hier der IQ-Test.

Nein, nein und nochmals nein: Hochbegabte Kinder sind nicht alle automatisch verhaltensauffällig und daher  erkennt man Hochbegabung NICHT an Verhaltensauffälligkeiten!!!

Auch der Zwischentitel "Eine Hochbegabung kommt selten allein" ist in diesem Zusammenhang irreführend und falsch. Denn die Mehrheit aller hochbegabten Kinder und Erwachsenen hat keine sozialen oder psychischen Probleme! Und wenn hochbegabte Kinder "verhaltensauffällig" werden, liegt das oft daran, dass sie von ihrer Umwelt nicht verstanden und in der Schule unterfordert werden.

Der Artikel ist ein eindrucksvolles Beispiel, was passiert, wenn Journalisten, die keine Ahnung vom Thema haben, über Hochbegabung schreiben!

PS. Auch die  - wohl aus dem Zusammenhang gerissene - Expertenmeinung macht es nicht besser. "Dabei sind Zwänge genau wie soziale Anpassungsstörungen sehr häufig in Verbindung mit extremer Intelligenz zu finden", weiß Karsten Otto, Vorstand des Vereins Hochbegabtenförderung. Für diesen Zusammenhang gibt es meines Wissens keinen wissenschaftlichen Beweis.

http://www.t-online.de/eltern/gesundheit/ads/id_75998678/hochbegabt-adhs-asperger-tobias-ist-schlau-und-einsam.html

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Sind Erstgeborene wirklich klüger?


Nicht uninteressant: Eine großangelegte Meta-Studie zeigte, dass der IQ mit der Stellung in der Geschwisterreihe leicht abnimmt. Dass also Erstgeborene in IQ-Tests ein höheres Ergebnis erreichen als (ihre) jüngeren Geschwister. Das wurde sowohl innerhalb von Familien als auch „quer“ über alle Familien berechnet.
Als Erklärung wird angeboten: Ältere Geschwister erklären jüngeren „die Welt“ und müssen dabei ihr eigenes Wissen strukturieren und abrufen. Das würde ihre Intelligenz steigern.

Im Zuge der Studie wurde auch die „Selbst-Einschätzung“ in Bezug auf Intelligenz verglichen – auch hier schneiden die jüngeren Geschwister „schlechter“ ab. Das erscheint mir ziemlich logisch: Schließlich haben sie ihre ganze Kindheit (und auch später noch) die älteren Geschwister „vor der Nase“, die schon so viel mehr können und wissen – und mit diesem Vorsprung vielleicht auch noch angeben.

Es wurde auch der Einfluss der Stellung in der Geschwisterreihe auf eine Reihe anderer Persönlichkeitsmerkmale getestet. Entgegen der landläufigen Meinung konnten aber keine Einflüsse auf Variablen wie „Extraversion, emotionale Stabilität, Gewissenhaftigkeit“ gefunden werden.

Ich frag mich dann immer nur, welchen praktischen Nutzen wir als Gesellschaft aus solchen Erkenntnissen ziehen (die Erkenntnis zwischen Zusammenhang „Geschwisterreihe und IQ“ ist übrigens auch gar nicht neu, das wurde schon mehrmals nachgewiesen). Im Endeffekt sagt der IQ nicht über Erfolg, Leistung und Lebensglück aus... Und daran, dass ältere Geschwister jüngeren die Welt erklären, lässt sich nichts ändern. (Wenn diese Erklärung zutrifft, müsste der Effekt bei Geschwistern, die einen sehr großen Altersunterschied haben, geringer sein, weil die Kinder dann einfach weniger Zeit miteinander verbringen). Was sich vielleicht ändern lässt, ist die tendenziell schlechtere Selbsteinschätzung der jüngeren Geschwister.